tl,dr; – zusammengefasst
Künstliche Intelligenz breitet sich inflationär aus und stellt zwangsläufig auch Fragen an die Geschichtswissenschaft. Am 9. Februar 2026 online um 16 – 18 Uhr diskutieren wir darüber in unserer Reihe #histojob mit dem Historiker und KI-Referenten Dr. Sebastian Kubon von der LMU München. Wie immer blicken wir nicht nur auf das Fachthema, sondern auch auf seinen Werdegang von Studium und Promotion über die Arbeitsfelder Mittelalter und Public History hin zu seinem Engagement bei “Ich bin Hanna” und als KI-Beauftragter. Fühlt euch herzlich willkommen, um mitzudiskutieren und Fragen zu stellen. Den Link zur Veranstaltung erhaltet ihr unter info@openhistory.de

Das ist das Ende der Geschichte – schon wieder
Künstliche Intelligenz hat einen fragwürdigen Ruf, auch wenn ein paar Einsatzgebiete vielversprechend wirken. Wir erhielten als Open History e.V. durchaus Kritik, sobald wir etwa Illustrationen oder Videos einsetzten. Oft allzu pauschal erinnert die Verachtung jedoch an traditionelle Abwehrhaltungen der Geschichtswissenschaft wie einst gegenüber Wikipedia oder YouTube-Erklärvideos.
Moralisierender Standesdünkel oder berechtigte Kritik? Manch ein Take wagt bereits, die Geschichtswissenschaft selbst zu Geschichte zu erklären: Den Job könne ja in Zukunft KI viel besser machen! (Markt und Mittelstand 30.7.2025, zit. Microsoft Studie). Kann KI so katastrophale Folgen für unsere Profession haben – und wo liegen vielleicht doch plausiblere Anwendungsbereiche?
KI und Berufsfelder der Geschichte
Wir freuen uns deshalb sehr auf das Gespräch mit unserem Gast Dr. Sebastian Kubon, der jüngst nachlesbar aus einem Seminar mit Studierenden und einer Kollegin von zentralen Überlegungen berichtet (DigiTRiP 17.11.2025). Er unterstützt das Historische Seminar der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) München seit kurzem als Referent für Künstliche Intelligenz und berichtet uns, wie er diese Aufgabe ausfüllen will.
Aber wir nehmen uns ebenso Zeit, über seinen persönlichen Werdegang zu sprechen. Promoviert hat Kubon über die Außenpolitik des Deutschen Ordens und zum Themenfeld des Mittelalters auch gearbeitet. Tätig ist er auch im Feld der Public History, wo er sich hauptsächlich mit dem Mittelalter-Bild in Computer-Netzwerken beschäftigt. Im Netz prominent wurde Kubon zudem durch den Kampfruf #IchBinHanna, unter dem er zusammen mit Mitstreiterinnen den Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft den Kampf ansagte.
Wir haben mit dem Thema und dem Werdegang also prall gefüllte zwei Stunden vorbereitet, die wohl kaum langweilig werden dürften.
Boah, bist Du künstlich!
Technologisch ist Künstliche Intelligenz noch eine Wette darauf, dass wirtschaftlich tragfähige Anwendungen entstehen. Für diese Hoffnung verschieben große Konzerne untereinander Milliarden im Kreis. Fantastische Versprechen über Dividenden lassen die Augen der Aktionäre weltweit leuchten. So lädt sich eine nie dagewesene Finanzblase auf, deren Kollaps die globale Wirtschaft wegfegen könnte. Schon der Verbrauch an Wasser und Strom für expandierende Rechenzentren stellt vor eine Sinnfrage: Sie schlucken den Strom eines mittleren Industriestaats und pumpen Grundwasserspeicher zur Kühlung darüber.
Die KIs errechnen semantische Wahrscheinlichkeiten für das nächste Wort, um intelligente Antworten zu simulieren. Dabei sind alle Nutzer:innen zugleich Teil des Trainings – und wer ein gedrucktes oder digitales Medium produziert hat, den vereinnahmen die selbstlernenden Mühlen der KI längst. In unzählbarer Menge flossen Texte, Bilder und Videos ungefragt und oft illegal als Datenfutter in die Text- und Bildgeneratoren ein. Eine Entlohnung der Urheberinnen und Urheber – Fehlanzeige. Ebenso wie ein Unrechtsbewusstsein der Tech-Bros.
Erfolgt all dieser Aufwand an fremdem Eigentum, Technik und Ressourcen nur, damit Manfred und Gitta ihre Montagsmail mit einem lustigen Bürocartoon aufpeppen oder die Dienstbesprechung mit einem Country-Song über das Team verlängern? Vielleicht erstellen sie ja gleich die gesamte Mail mit einem Text-Generator? Das zentrale Motiv bei der Nutzung scheint oft: Hilft mir KI, freitags früher ins Wochenende zu kommen.
Besser künstliche, als gar keine Intelligenz
Die Antwort nach dem Sinn kommt auf den Anwendungsfall: Manfred könnte mit einem lustigen Cartoon Patient:innen die Behandlung in einem Krankenhaus erklären und so Ängste nehmen. In einem Jugendzentrum könnte Gitta mit Kindern positivere Rap-Songs mit Bezug zu ihrer Lebenswelt erzeugen, die nicht vor Wut und Gewalt triefen. Wie könnte KI also für Historiker:innen hilfreich sein? Als Lernpartner im Studium? Als Lehrvorbereitung oder zur Visualisierung von Forschungen?
Selbstlernende KI unterstützt bereits intensiv dabei, Millionen medizinische Scans nach entstehendem Krebs zu untersuchen. Ähnlich analysiert KI die Schriftmuster in einem KI-Projekt der FAU Nürnberg-Erlangen mit der nepolitanischen Nationalbibliothek zu verkohlten Papyri (FAU 28.7.2025). Neu aber ist, wie “generative” KI arbeitet. Sie analysiert nicht nur und lernt Muster zu erkennen, sondern versucht selbst Inhalte zu erstellen. Dabei greift sie auf den erlernten und kontinuierlich fortgeschriebenen Fundus an Materialien zurück.
Dabei stellen sich elementare Herausforderungen für die Geschichtswissenschaft: Wie lassen sich beispielsweise Autor und Verfasser für eine Quellenkritik generierter Inhalte zuordnen? Wie muss sich die Historik als didaktische Disziplin anpassen und wie müssen sich methodische Zugriffe der Hilfswissenschaften verändern? Lassen sich Grenzen formulieren, wo KI als eine Arbeitstechnik zulässig wäre? Soll die DFG wie geplant den Einsatz in der Begutachtung erlauben (DFG 15.12.2025)? Ein Buchkapitel schreiben lassen, wäre sicherlich weiter nicht erlaubt, aber im Arbeitsprozess das Buch zu strukturieren? Ein AI-Kompanion in einer mündlichen Prüfungen ist klarer Betrug, vielleicht aber als Dialogpartner im Lernprozess nützlich? Checklisten erstellen, Texte entwerfen, Recherchen überblicken… nichts davon klingt zunächst mal verwerflich. Grafiker befürchten Auftragsverluste durch KI. Aber in vielen Kontexten gab es bereits jetzt keine Budgets für Grafik. Und wie oft könnte es Missverständnisse ausräumen, Entwürfe für Tabellen, Diagramme oder Covern vor Auftragsvergabe rechtzeitig mit KI zu visualisieren.
Lasst uns auf solche und eure Fragen mit unserem Gast ein paar Antworten suchen.
Kommt vorbei! #histojob – für alle Interessierten
Die Reihe #histojob beleuchtet aktuelle Themen und Tätigkeitsfelder für Historiker:innen. Dabei besuchen uns Gäste und berichten von ihrer aktuellen Tätigkeit – und ihrem Werdegang dorthin. Meldet euch an und wir schicken euch den Link zur Veranstaltung zu. Sagt es gerne weiter!
Den Link erhaltet ihr unter info@openhistory.de
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Das Beitragsbild wurde generiert mit Chatopenai.d DallE3 durch Nico.
Verwendeter Prompt:
„Ein menschlicher Android, der mit leuchtenden Schaltkreisen überzogen ist und eine Toga trägt, öffnet seine Haustür. Das dazu gehörende Haus ist Teil einer Landschaft aus Ruinen. Vor seiner Haustür schwebt eine Quadrocopter-Drohne in Augenhöhe und mit einem weißem Bart. Der Bart reicht bis auf den Boden. In einer Sprechblase geschrieben steht, was die Drohne zu dem Androiden sagt: ‚Guten Tag. Hätten Sie Zeit, mit mir über unseren Gott openAI zu sprechen?‘ Verwende einen retrofuturistischen Stil.“

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