#histojob am 9. Februar: Skynet Macht Geschichte – Zukunft KI?

Retro-futuristische Karikatur: Ein Roboter in antiker Toga wird an einer Tür von einer fliegenden Drohne mit langem, weißem Bart angesprochen. Sprechblase der Drohne: "Guten Tag. Hätten Sie Zeit, mit mir über unseren Gott openAI zu sprechen?"

Das ist das Ende der Geschichte – schon wieder

Künst­li­che Intel­li­genz hat einen frag­wür­di­gen Ruf, auch wenn ein paar Ein­satz­ge­bie­te viel­ver­spre­chend wir­ken. Wir erhiel­ten als Open Histo­ry e.V. durch­aus Kri­tik, sobald wir etwa Illus­tra­tio­nen oder Vide­os ein­setz­ten. Oft all­zu pau­schal erin­nert die Ver­ach­tung jedoch an tra­di­tio­nel­le Abwehr­hal­tun­gen der Geschichts­wis­sen­schaft wie einst gegen­über Wiki­pe­dia oder YouTube-Erklärvideos.

Mora­li­sie­ren­der Stan­des­dün­kel oder berech­tig­te Kri­tik? Manch ein Take wagt bereits, die Geschichts­wis­sen­schaft selbst zu Geschich­te zu erklä­ren: Den Job kön­ne ja in Zukunft KI viel bes­ser machen! (Markt und Mit­tel­stand 30.7.2025, zit. Micro­soft Stu­die). Kann KI so kata­stro­pha­le Fol­gen für unse­re Pro­fes­si­on haben – und wo lie­gen viel­leicht doch plau­si­ble­re Anwendungsbereiche? 

KI und Berufsfelder der Geschichte

Wir freu­en uns des­halb sehr auf das Gespräch mit unse­rem Gast Dr. Sebas­ti­an Kubon, der jüngst nach­les­bar aus einem Semi­nar mit Stu­die­ren­den und einer Kol­le­gin von zen­tra­len Über­le­gun­gen berich­tet (Digi­TRiP 17.11.2025). Er unter­stützt das His­to­ri­sche Semi­nar der Lud­wig-Maxi­mi­li­an-Uni­ver­si­tät (LMU) Mün­chen seit kur­zem als Refe­rent für Künst­li­che Intel­li­genz und berich­tet uns, wie er die­se Auf­ga­be aus­fül­len will. 

Aber wir neh­men uns eben­so Zeit, über sei­nen per­sön­li­chen Wer­de­gang zu spre­chen. Pro­mo­viert hat Kubon über die Außen­po­li­tik des Deut­schen Ordens und zum The­men­feld des Mit­tel­al­ters auch gear­bei­tet. Tätig ist er auch im Feld der Public Histo­ry, wo er sich haupt­säch­lich mit dem Mit­tel­al­ter-Bild in Com­pu­ter-Netz­wer­ken beschäf­tigt. Im Netz pro­mi­nent wur­de Kubon zudem durch den Kampf­ruf #Ich­Bin­Han­na, unter dem er zusam­men mit Mit­strei­te­rin­nen den Arbeits­be­din­gun­gen in der Wis­sen­schaft den Kampf ansagte.

Wir haben mit dem The­ma und dem Wer­de­gang also prall gefüll­te zwei Stun­den vor­be­rei­tet, die wohl kaum lang­wei­lig wer­den dürften.

Boah, bist Du künstlich!

Tech­no­lo­gisch ist Künst­li­che Intel­li­genz noch eine Wet­te dar­auf, dass wirt­schaft­lich trag­fä­hi­ge Anwen­dun­gen ent­ste­hen. Für die­se Hoff­nung ver­schie­ben gro­ße Kon­zer­ne unter­ein­an­der Mil­li­ar­den im Kreis. Fan­tas­ti­sche Ver­spre­chen über Divi­den­den las­sen die Augen der Aktio­nä­re welt­weit leuch­ten. So lädt sich eine nie dage­we­se­ne Finanz­bla­se auf, deren Kol­laps die glo­ba­le Wirt­schaft weg­fe­gen könn­te. Schon der Ver­brauch an Was­ser und Strom für expan­die­ren­de Rechen­zen­tren stellt vor eine Sinn­fra­ge: Sie schlu­cken den Strom eines mitt­le­ren Indus­trie­staats und pum­pen Grund­was­ser­spei­cher zur Küh­lung darüber.

Die KIs errech­nen seman­ti­sche Wahr­schein­lich­kei­ten für das nächs­te Wort, um intel­li­gen­te Ant­wor­ten zu simu­lie­ren. Dabei sind alle Nutzer:innen zugleich Teil des Trai­nings – und wer ein gedruck­tes oder digi­ta­les Medi­um pro­du­ziert hat, den ver­ein­nah­men die selbst­ler­nen­den Müh­len der KI längst. In unzähl­ba­rer Men­ge flos­sen Tex­te, Bil­der und Vide­os unge­fragt und oft ille­gal als Daten­fut­ter in die Text- und Bild­ge­ne­ra­to­ren ein. Eine Ent­loh­nung der Urhe­be­rin­nen und Urhe­ber – Fehl­an­zei­ge. Eben­so wie ein Unrechts­be­wusst­sein der Tech-Bros.

Erfolgt all die­ser Auf­wand an frem­dem Eigen­tum, Tech­nik und Res­sour­cen nur, damit Man­fred und Git­ta ihre Mon­tags­mail mit einem lus­ti­gen Büro­car­toon auf­pep­pen oder die Dienst­be­spre­chung mit einem Coun­try-Song über das Team ver­län­gern? Viel­leicht erstel­len sie ja gleich die gesam­te Mail mit einem Text-Gene­ra­tor? Das zen­tra­le Motiv bei der Nut­zung scheint oft: Hilft mir KI, frei­tags frü­her ins Wochen­en­de zu kommen.

Besser künstliche, als gar keine Intelligenz

Die Ant­wort nach dem Sinn kommt auf den Anwen­dungs­fall: Man­fred könn­te mit einem lus­ti­gen Car­toon Patient:innen die Behand­lung in einem Kran­ken­haus erklä­ren und so Ängs­te neh­men. In einem Jugend­zen­trum könn­te Git­ta mit Kin­dern posi­ti­ve­re Rap-Songs mit Bezug zu ihrer Lebens­welt erzeu­gen, die nicht vor Wut und Gewalt trie­fen. Wie könn­te KI also für Historiker:innen hilf­reich sein? Als Lern­part­ner im Stu­di­um? Als Lehr­vor­be­rei­tung oder zur Visua­li­sie­rung von Forschungen?

Selbst­ler­nen­de KI unter­stützt bereits inten­siv dabei, Mil­lio­nen medi­zi­ni­sche Scans nach ent­ste­hen­dem Krebs zu unter­su­chen. Ähn­lich ana­ly­siert KI die Schrift­mus­ter in einem KI-Pro­jekt der FAU Nürn­berg-Erlan­gen mit der nepo­li­ta­ni­schen Natio­nal­bi­blio­thek zu ver­kohl­ten Papy­ri (FAU 28.7.2025). Neu aber ist, wie “gene­ra­ti­ve” KI arbei­tet. Sie ana­ly­siert nicht nur und lernt Mus­ter zu erken­nen, son­dern ver­sucht selbst Inhal­te zu erstel­len. Dabei greift sie auf den erlern­ten und kon­ti­nu­ier­lich fort­ge­schrie­be­nen Fun­dus an Mate­ria­li­en zurück.

Dabei stel­len sich ele­men­ta­re Her­aus­for­de­run­gen für die Geschichts­wis­sen­schaft: Wie las­sen sich bei­spiels­wei­se Autor und Ver­fas­ser für eine Quel­len­kri­tik gene­rier­ter Inhal­te zuord­nen? Wie muss sich die His­to­rik als didak­ti­sche Dis­zi­plin anpas­sen und wie müs­sen sich metho­di­sche Zugrif­fe der Hilfs­wis­sen­schaf­ten ver­än­dern? Las­sen sich Gren­zen for­mu­lie­ren, wo KI als eine Arbeits­tech­nik zuläs­sig wäre? Soll die DFG wie geplant den Ein­satz in der Begut­ach­tung erlau­ben (DFG 15.12.2025)? Ein Buch­ka­pi­tel schrei­ben las­sen, wäre sicher­lich wei­ter nicht erlaubt, aber im Arbeits­pro­zess das Buch zu struk­tu­rie­ren? Ein AI-Kom­pa­n­ion in einer münd­li­chen Prü­fun­gen ist kla­rer Betrug, viel­leicht aber als Dia­log­part­ner im Lern­pro­zess nütz­lich? Check­lis­ten erstel­len, Tex­te ent­wer­fen, Recher­chen über­bli­cken… nichts davon klingt zunächst mal ver­werf­lich. Gra­fi­ker befürch­ten Auf­trags­ver­lus­te durch KI. Aber in vie­len Kon­tex­ten gab es bereits jetzt kei­ne Bud­gets für Gra­fik. Und wie oft könn­te es Miss­ver­ständ­nis­se aus­räu­men, Ent­wür­fe für Tabel­len, Dia­gram­me oder Covern vor Auf­trags­ver­ga­be recht­zei­tig mit KI zu visualisieren.

Lasst uns auf sol­che und eure Fra­gen mit unse­rem Gast ein paar Ant­wor­ten suchen.

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Die Rei­he #his­to­job beleuch­tet aktu­el­le The­men und Tätig­keits­fel­der für Historiker:innen. Dabei besu­chen uns Gäs­te und berich­ten von ihrer aktu­el­len Tätig­keit – und ihrem Wer­de­gang dort­hin. Mel­det euch an und wir schi­cken euch den Link zur Ver­an­stal­tung zu. Sagt es ger­ne weiter!

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Das Bei­trags­bild wur­de gene­riert mit Chatopenai.d DallE3 durch Nico.
Ver­wen­de­ter Prompt:
„Ein mensch­li­cher Android, der mit leuch­ten­den Schalt­krei­sen über­zo­gen ist und eine Toga trägt, öff­net sei­ne Haus­tür. Das dazu gehö­ren­de Haus ist Teil einer Land­schaft aus Rui­nen. Vor sei­ner Haus­tür schwebt eine Qua­dro­c­op­ter-Droh­ne in Augen­hö­he und mit einem wei­ßem Bart. Der Bart reicht bis auf den Boden. In einer Sprech­bla­se geschrie­ben steht, was die Droh­ne zu dem Andro­iden sagt: ‚Guten Tag. Hät­ten Sie Zeit, mit mir über unse­ren Gott ope­nAI zu spre­chen?‘ Ver­wen­de einen retro­fu­tu­ris­ti­schen Stil.“

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